Akupunktur, ein Teil der TCVM

Erste konkrete Berichte der Akupunkturbehandlung von Tieren in China stammen aus der Zeit um 650 v. Chr. Damals habe Sun-Yang die militärisch eingesetzten Reitpferde mit Akupunktur und Moxibustion behandelt, um sie leistungsbereit und gesund zu halten. Nach Meinung diverser Autoren gilt Sun-Yang als Stammvater der chinesischen Veterinärmedizin, Fachmann für die Beurteilung von Pferden, Akupunktur, Moxibustion, Kauterisation sowie Kräutermedizin.

Was in der Vorzeit begann, wurde bis heute von Generation zu Generation überliefert, Schriften wurden angepasst und komplementiert.

Ziel der Traditionellen Chinesischen Veterinärmedizin, kurz TCVM, ist es, die Harmonie zwischen dem Körper und seiner inneren und äusseren Umgebung im Gleichgewicht zu halten, die Ursache für eine „Krankheit“ zu finden und zu behandeln. Die chinesische Philosophie spricht hier vom energetischen Gleichgewicht bzw. Ungleichgewicht, der Begriff „Krankheit“ im Sinne der westlichen Schulmedizin existiert nicht. Die auftretende Krankheit als solche gilt als Symptom einer vorrangig vitalen Störung (siehe auch PRÄVENTION - ERNÄHRUNG).

Akupunktur ist zusammen mit Massagetechniken wie Tuina Anmo und Shiatsu, mit Bewegungsübungen wie Qigong und Taijiquan, mit Kräutermedizin und mit einer am Wirkprofil der Arzneien ausgerichteten Diätetik eine der fünf Säulen der TCM (Traditionellen Chinesischen Medizin).

Traditionell versteht man unter Akupunktur die Regelung des Flusses der Lebensenergie, die in China »Qi« genannt wird. Das Qi fliesst in energetischen Kanälen, die nicht nur die Akupunkturpunkte, sondern – über innere Verläufe – auch die inneren Organe miteinander verbinden und beeinflussen. Eine Störung dieses energetischen Flusses kann Schmerzen und/oder Krankheiten hervorrufen. Hier ist die Hilfe des Therapeuten gefragt.

Die Ernährung, das Verhalten, Haltungsformen, klimatische Gegebenheiten sowie Emotionen werden in diese Therapie miteinbezogen. So kann eine optimale Behandlung nach ganzheitlichem Prinzip erfolgen.

 

Wie funktioniert Akupunktur?

Akupunktur ist eine Therapieform, bei der an genau festgelegten Punkten mittels physikalischer Reize wie Nadeln oder Laser heilend auf den Organismus eingewirkt wird. Die Stimulierung der Akupunkturpunkte bewirkt eine Harmonisierung des Energieflusses im Körper, welche Organe, Kreislauf und Psyche unterstützt und reguliert. Es gilt, das energetische Gleichgewicht wieder herzustellen, Funktionsstörungen zu beheben.

In der TCVM werden Akupunkturpunkte als Shu Xue - „Ein Loch in der Haut, das über einen Meridian oder ein Netzgefäss mit einem oder mehreren inneren Organen kommuniziert“ - bezeichnet.

Es kann vorkommen, dass beim Einstich einer Nadel in bestimmte empfindliche Hautbereiche ein kurzer Schmerzmoment auftritt. Sobald die Nadel am Platz ist, entspannen sich die meisten Tiere und schlafen sogar häufig während der Behandlung ein.

Sehr gute Erfolge dürfen bei der Behandlung mit Akupunktur insbesondere bei chronischen Krankheiten und Arthrose verzeichnet werden.


Mögliche Indikationen

  → Altersbeschwerden
  → Atemwegserkrankungen (z.B. chronischer Husten)
  → Bewegungseinschränkungen
  → Degenerative Veränderungen des Bewegungsapparates (z.B. Arthrose)
  → Dermatologische Behandlungen (z.B. Sommerekzem beim Pferd)
  → Entstörung von Narben
  → Förderung der Durchblutung
  → Gastrointestinale Störungen wie Fressunlust, Durchfall, Verstopfung, Kotwasser
  → Lähmungserscheinungen
  → Leistungsabfall
  → Muskelverspannungen
  → Postoperative Behandlungen zur Rehabilitation
  → Rheumatische Erkrankungen
  → Schmerzbehandlungen allgemein
  → Stärkung älterer Tiere
  → Stimulierung des Immunsystems
  → Stoffwechselstörungen
  → Überbelastungsbeschwerden
  → Verhaltensprobleme (z.B. Angst & Stress)
  → Verletzungen von Muskeln, Nerven, Sehnen

Kontra-Indikationen

  → Chirurgische Indikationen (z.B. Brüche, die gerichtet werden müssen)
  → Gen-Defekte (Erbkrankheiten)
  → Krebsartige Tumore (Schmerzlinderung möglich, siehe INDIKATIONEN)

Die Akupunkturbehandlung

Eine der häufigsten gestellten Fragen lautet: Wie viele Behandlungen sind nötig, bis es dem Tier wieder besser geht?

Die Antwort hängt vom Problem selbst sowie dem Zustand und der Reaktion des Tieres ab. Ein akutes Geschehen benötigt i.d.R. 1 bis 3 Behandlungen, ein chronisches 3 bis 5 (bis hin zu mehr). Dies sind Erfahrungswerte, die im Einzelfall abweichen können.

 

Ablauf einer Akupunkturbehandlung

Ich freue mich, Ihr Pferd in einem sauberen und trockenen Zustand vorgestellt zu bekommen. Als Umgebung eignet sich ein trockener, heller Behandlungsplatz, jedoch keine Pferdeboxe. In einer solchen wird aus Sicherheitsgründen keine Therapie vorgenommen.

Steht im Falle von nasser Witterung kein trockener, heller Platz zur Verfügung, sollte der Termin verschoben werden.

Für die Behandlung lege ich Wert auf eine ruhige Umgebung. Das Pferd soll während der Therapie möglichst viel Ruhe und Entspannung finden. Eine unruhige Umgebung und/oder viele Zuschauer wirken sich meist negativ auf die Behandlung aus.  

Als Grundlage einer bestmöglichen Therapie wird mit einer exakten Anamnese gestartet. Eine solche kann zeitaufwändig ausfallen, erfordert sie doch eine genaue Aufnahme und Auswertung der Gegebenheiten (Bsp.: Wann und unter welchen Umständen hat das Problem begonnen, etc.). Dies ist wesentlich, handelt es sich doch bei der TCVM um eine ganzheitliche Therapieform, die das Lebewesen in seiner Gesamtheit erfasst.  

Sehr wichtig ist die Mitteilung weiterer erfolgter Behandlungen, deren Verlauf und der eingenommenen Medikamente wie Antibiotika, Hormone, Kortison, etc., homöopathischer (Komplex-) Mittel, Schüssler Salze, Phytotherapeutika. Medikamente können das Bild verfälschen und/oder Blockaden bilden.  

Ist eine Trächtigkeit angezeigt, so MUSS dies unbedingt erwähnt werden. Einer Akupunkturbehandlung steht nichts im Wege, jedoch sind bestimmte Vorsichtsmassnahmen zu treffen.  

Da während und nach einer Akupunkturbehandlung eine vermehrte Endorphinausschüttung und somit ein erhöhter Hormonspielgel auftreten kann, sollte 24 Stunden vor einem Wettkampf KEINE Akupunktur mehr erfolgen (physikalisches Doping).  

In einem weiteren Schritt wird am Tier ermittelt, wie sich die Störungen am/im Körper bemerkbar machen. Dies erfolgt durch Betrachten, Hören, Riechen, Tasten, «Abfragen» der diagnostischen Akupunkturpunkte, Betrachten der Zunge, …  

Danach folgt die Behandlung selbst mittels Laser, Nadeln und/oder Moxa, je nach Bedürfnis des Tieres. Die Nadeln, meist zwischen einer und fünfzehn, verbleiben je nach Bedürfnis rund 15 bis 40 Min. an den konkret definierten Punkten.

 
 
 

Im Anschluss an die Therapie wird das weitere Vorgehen besprochen, auch ob Ruhetage für das Pferd sinnvoll sind.

Da jeder Körper auf seine eigene Art reagiert, kann der Weg der Heilung verschieden sein. Kleinere Symptome können vor dem eigentlichen Problem abklingen. Auch wenn diese Symptome nicht im Vordergrund stehen, handelt es sich trotzdem um eine positive Reaktion des Körpers. Der Heilungsprozess wurde in Gang gesetzt und der Organismus geht nun SEINEN Weg der Heilung.

 

Rückmeldungen betreffend Reaktionen begrüsse ich sehr.


Moxibustion

 

Moxa (die Moxibustion) hat die Eigenschaft, Akupunkturpunkte zu erwärmen, womit eine Verstopfung der Meridiane aufgelöst, Kälte und Nässe eliminiert und die normale Funktion der Organe gefördert wird. Moxa hat also eine erwärmende und stärkende Wirkung, was meist als sehr angenehm empfunden wird. Durch die Zufuhr von Wärme werden auch die lokale Durchblutung und die Stoffwechselaktivität angeregt, was insbesondere bei Rücken- und Gelenkbeschwerden (z.B. Arthrose) hilfreich ist.

(Aus Sicht der TCVM sind viele krankhafte Zustände auf fehlende Wärme, Nässe und Energieblockaden im entsprechenden Meridian zurückzuführen.
Moxa wird, nach chinesischer Tradition, aus getrockneten Beifussblättern [artemisia vulgaris] hergestellt. Für Heilzwecke schon seit mehreren tausend Jahren verwendet, wird die Pflanze in ganz China kultiviert.)
artemisia vulgaris